Wenn Schüler und
Schülerinnen zu früh zur Schule kommen ......
.... so liegt das am
Projekt @nien (Ethnien) in
Neukölln
Das Projekt @nien ist ein aufwendiger und von hochengagierten Mitwirkenden getragener Internet-Wettbewerb, den das Kulturamt Neukölln in Kooperation mit der Jugendförderung Neukölln und gewerblichen Sponsoren durchgeführt hat.
In der Zeit vom 11.–15 November 2002 traten 103 Schüler/innen der Klassen 8 bis 10 der Wildmeister-, Rütli- und Thomas-Morus Oberschule, sowie des Ernst Abbe Gymnasiums in acht Teams am 5 Vormittagen gegeneinander an. Alle Gruppen waren vernetzt über eine Internet Plattform. Die Ergebnisse finden sich unter http://www.projekt4you.de
Statt im üblichen Klassenzimmer trafen sich die Teilnehmenden in den Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen der Jugendförderung. Acht Teams mit durchschnittlich 13 Personen mussten sich jeden Tag neuen Aufgaben stellen. Unterstützt wurden sie von den Multimediaspezialisten/innen der Jugendförderung und ihren Lehrer/innen. Im Mittelpunkt stand die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Kulturen Neuköllns, wie auch der eigenen Herkunft und Kultur. Die Ergebnisse wurden am Computer für das Internet aufbereitet. So musste die eigene Herkunft bis zurück zu den Großeltern erkundet und auf einer Weltkarte kollektiv dargestellt werden. Familienweisheiten wurden ausgetauscht. Kochrezepte, die in fremder Sprache und Schrift geschrieben waren, ließen sich die Schüler/innen von Bürgern und Einzelhändlern auf den Strassen Neuköllns übersetzen. Wer hätte gedacht, dass zum Beispiel Möbelhäuser und Apotheken so wichtige Übersetzerdienste leisten? Sehr engagiert entwickelten alle Teams innerhalb von 5 Stunden eine Foto-Lovestory, die sich mit Liebe und Problemen zwischen den Kulturen auseinandersetzt. Das ganze wurde in Szene gesetzt, mittels Digitalkamera abgelichtet und ins Internet hochgeladen. Die Ergebnisse überzeugen durch starke Realitätsnähe und haben nicht immer ein Happyend. Aus dem Jazz Song „Born in Europe“ (Vivien Lee, Udo Gößwald) wurde durch den Einsatz der Magix Musiksoftware eine eigene jugendgemäße Hip-Hop-, Techno- oder Experimental-Variante entwickelt.
Die Schüler und Schülerinnen nahmen die Anforderungen der interkulturellen Auseinandersetzung sehr ernst. Die gleichzeitige Möglichkeit Anwendungen im breiten Feld der Multimedia zu erlernen und die Ergebnisse täglich im Internet zu präsentieren, begeistert und motivierte ungemein. Viele von ihnen erschienen bereits eine halbe Stunde vor der Zeit in der Einrichtung und wollten nach dem „Unterrichtsende“ nicht gehen, um Ihre Ergebnisse noch zu verbessern. Auch bei den Dozenten und Dozentinnen wurden Vorurteile gegenüber der Leistungsbereitschaft von Hauptschülern schnell abgebaut und die Lehrer und Lehrerinnen erkannten teilweise ihre eigenen Schüler und Schülerinnen nicht mehr.
Das Projekt @nien- Neukölln ist eingebettet in drei größere Projekte, die sich alle mit kultureller Herkunft und dem Miteinander in Europa auseinandersetzen: Dem Projekt „Born in Europe“ (http://www.born-in-europe.de ), dem Projekt Kulturnationen Neukölln (http://www.kulturnationen.de/ ) und den Netdays-Berlin (http://www.netdays-berlin.de). Der krönende Abschluss war ein gemeinsames Essen aller Teilnehmer in der „Werkstatt der Kulturen“ in Neukölln. Die gereichten Speisen waren allen Teilnehmern bekannt. Hatten sie doch die Gerichte als Bestandteil einer Aufgabe ein paar Tage zuvor selbst recherchiert. Auch gab es hier die Möglichkeit neue Freundschaften zu Mitgliedern anderer Gruppen zu schließen und sich über die Arbeit auszutauschen. Für viele Neuköllner Hauptschüler war es ihr „erstes Mal“ in einem vornehmen Restaurant.
Am 22. November 2002 werden die besten Ergebnisse im größten Berliner Shoppingcenter, den Gropiuspassagen in der Johannisthaler Chaussee, auf einer Großbildleinwand vorgestellt. Das Sieger-Team gewinnt eine Digitalkamera. Dies soll jedoch auf keinen Fall darüber hinwegtäuschen, dass sich schon jetzt alle Teilnehmenden als Sieger fühlen können. In der Wettbewerbswoche haben die Schüler und Schülerinnen ihre unterschiedlichen Kompetenzen intensiv eingebracht und begeistert ihr Wissen in der Nutzung der Zukunftstechnologie Computer erweitert.
Ebenfalls als Sieger können sich die Initiatoren des Kulturamtes fühlen. Die
Idee des problemlösungsorientierten Lernens ist bei allen Beteiligten sehr gut
angekommen. Die enge Zusammenarbeit mit der Jugendförderung Neukölln (http://www.neukoelln-jugend.de/) und
den Neuköllner Schulen zeigt auf, wie stark der Sozialraum Neukölln durch
Nutzung und Vernetzung der vorhandenen
Ressourcen und Kontakte sein kann. Eine weitere wichtige
Finanzierungsquelle waren Mittel des Bundesministeriums für Frauen, Senioren,
Jugend und Familie im Rahmen des Programms „entimon“
unter dem Titel "Kulturnationen Neukölln". 54 Lizenzen der
Musiksoftware Music Maker wurden von der Berliner Firma Magix (http://www.magix.com) bereitgestellt. Ohne der
Unterstützung der Werkstatt der Kulturen, den Gropiuspassagen und weiter
kleinerer Sponsorenbeiträge hätte diesem Projekt etwas gefehlt. Insoweit ist
das Projekt ein gelungenes Beispiel für Public Privat Partnership, das auf
Wiederholung drängt.
Jörg Hagel, Mitarbeiter Projektkoordination „@nien“
Eva Lischke, Jugendförderung Neukölln